Reise 2026
Vom 26. Februar bis zum 2. März 2026 haben wir – Marie Brunner, Sabine Salka und Joachim Fuhrländer (Initiator für die geplante PV-Anlage) – die Kinder in Ahépé besucht. Im Folgenden berichten wir von unserer Reise:
Donnerstag, 26. Februar 2026
Für uns ging es ganz früh morgens los in Richtung Flughafen München. Um 8.55 Uhr startete der Flug Richtung Lomé, mit Umstieg in Brüssel und Zwischenstopp in Abidjan (Elfenbeinküste).

Um 20.05 Uhr kamen wir pünktlich auf dem Flughafen Lomé an. Unser Shuttlebus vom Hotel sowie Emmanuel erwarteten uns bereits dort.
Bei einem gemeinsamen Abendessen am Strand lernten sich Emmanuel und Joachim kennen und wir konnten die Pläne für die nächsten Tage besprechen.

Freitag, 27. Februar 2026
Nach einigen Erledigungen in Lomé fuhren wir mit Emmanuel nach Ahépé. Er hatte das Auto extra für unseren Aufenthalt ausgeliehen. Die Fahrt dorthin dauert ca. 1,5 Stunden (davon etwa eine halbe Stunde allein in Lomé).
Am Straßenrand von Ahépé wurden wir von einigen der Kinder bereits erwartet und freudig willkommen geheißen. Wir waren schon gespannt auf die Umbauten im „Centre Emmanuel“ – so der offizielle Name -, die in den vergangenen Jahren im Waisenzentrum stattgefunden haben. Die meisten Kinder kannten wir persönlich noch nicht, sondern lediglich von Fotos, da von unserem letzten Besuch nur Charles und Eviardine (Ephraïm) noch auf dem Gelände wohnen – die älteren Kinder sind allesamt in Ausbildung oder stehen im Berufsleben.

Im Waisenzentrum zeigte uns Emmanuel (Manu) nach der ausführlichen Begrüßung aller Kinder erst einmal alle alten und neuen Gebäude. Im Gegensatz zu unserer letzten Reise wird nun meistens auf einem Gasherd in der Küche gekocht – ein Holzfeuer gibt es aber weiterhin. Es gibt außerdem einen Lagerraum mit Kühlschrank sowie fließendes Wasser in der Küche und in den Sanitäranlagen, welche für Jungen und Mädchen getrennt sind. Duschen und Toiletten waren bei unserem letzten Besuch noch nicht ausgebaut. Die neuen Sanitäranlagen bieten einen Komfort, der deutlich höher ist als der Standard im Dorf.


Wir gingen auch um das Gelände herum, um die Wasser- und Stromversorgung zu begutachten. Joachim inspizierte hierzu konkret die Zuleitungsverhältnisse für die künftige Photovoltaik-Anlage und erklärte, wie diese genau geplant ist und wie damit auch eine höhere Sicherheit gewährleistet wird.
Außer uns waren gerade vier Volontäre aus Frankreich zu Besuch, die im Waisenhaus wohnten und im Dorf mithalfen. Grüße an Noémi, Eyran, Pierre und Louise!
Nach dem Rundgang machten wir uns auf den Weg zum Empfang durch das Dorfoberhaupt (auf Englisch „Judge“). Nachdem wir uns anfangs aus Respektgründen hingekniet hatten, konnten wir ihm einige Fragen zum Waisenzentrum stellen, die uns persönlich bewegten. Die Kommunikation fand auf Deutsch, Englisch, Französisch und Ewe, dem Regionaldialekt, statt. Manu und die Ehefrau des Judge dolmetschten. Diese Fragen stellten wir:
Ist eine finanzielle Unterstützung des Waisenzentrums durch das Dorf möglich? – Nein, da das Dorf diese Mittel nicht hat. In dem Zusammenhang sprach er auch von der schwierigen gesundheitlichen Versorgung der Bevölkerung. Kranke müssen die Kosten für ihre Behandlung selbst im Voraus bezahlen. Ein Euro kann hier zwischen Überleben und Tod entscheiden, sagte er. (Hinweis: In Ahépé gibt es eine einfache Krankenstation, dispensaire. Für größere Probleme muss man nach Lomé fahren.)
Wie wird es mit der Grundschule weitergehen, nachdem die katholische Kirche nicht mehr als Träger zur Verfügung steht? – Das Dorf unterstützt die Schule seit kurzem finanziell, damit nicht so viele Kinder auf der Straße stehen, denn die staatliche Grundschule ist für viele Kinder zu weit entfernt. Allerdings wurden aus Kostengründen Klassen zusammengelegt, so dass ein Lehrer nun nicht mehr 25, sondern ca. 50 Kinder unterrichtet.
Wie ist das Ansehen des Waisenhauses „Centre Emmanuel“ im Dorf? – Das Ansehen ist sehr hoch und die Kinder sind ein großes Vorbild im Dorf dafür, was man mit Bildung erreichen kann. Er erwähnte, dass Mädchen ansonsten oft mit 16 Jahren schwanger werden und dann ohne Ausbildung oder Zukunftsperspektiven da stehen.

Besuch beim Judge
Nach unserem Gespräch ging es zum Mittagessen zurück ins Waisenhaus, das wir wegen des einsetzenden Regens nach drinnen verlegten. Es gab Reis mit Tomatensoße und Ei. Daniel kletterte auf Maries Schoß und aß kurzerhand mit. Zum Glück war genügend da. Er liebte besonders das Ei und durfte auch, wie üblich, mit den Händen essen.

Als der Regenguss schließlich vorüber war, packten wir gemeinsam mit den Kindern die mitgebrachten Geschenke aus. Nach kurzer Skepsis wurde alles freudestrahlend ausprobiert. Wir konnten auch beobachten, wie die neuen Schaukeln, die unser Verein finanziert hat, genutzt wurden. Wir selbst durften auch das ein oder andere Kind öfter anschubsen. Die Rutschen waren um diese Tageszeit leider zu heiß.

Nachmittags waren die meisten Kinder wieder in der Schule, um dort auf dem Gelände zu arbeiten (Unkrautjäten etc.). Wir besuchten sie dort. Alle Kinder in der Schule waren äußerst aufgeschlossen und besonders interessiert, als wir mit dem Handy Fotos schossen (Kinder + Handyfotos = explosive Mischung). Wir lernten auch den Direktor kurz kennen, der die Gartenarbeiten beaufsichtigte.
Grundschule
Nach einem Abstecher zur Gendarmerie (Polizei) suchten wir noch einige Personen auf, die Manu befragen wollte. Er hoffte, Informationen zur Herkunft der Familie von Daniel, Manassé und Majoie zu finden, die nicht aus dem Dorf stammen. Wir wurden auch herzlich von einer Gruppe Frauen empfangen, die uns gleich in ihren Kreis aufnahmen. Sprachbarrieren spielten dank Manu keine große Rolle.

Der nächste Regenschauer verursachte einige Unordnung im Waisenhaus, die aber sofort von allen beseitigt wurde. Nachdem wir nochmals mit den Kindern gespielt hatten, machten wir uns auf den Heimweg zurück nach Lomé.
Samstag, 28. Februar 2026
Am nächsten Tag hatten wir uns vorgenommen, die jungen Erwachsenen in Lomé zu besuchen, welche vormals im Waisenhaus gelebt haben und nun ihre eigenen Leben führen. Einige von ihnen sind in Ausbildung, ein paar haben diese bereits beendet und stehen im Berufsleben.
Wir begannen mit Jacqueline, die vor kurzem ihr Soziologiestudium an der Universität aufgenommen hat. In der kleinen WG führte sie einen Videocall per Handy mit ihrer gleichaltrigen Patin aus Deutschland.
Jacquie
In einer nahe gelegenen Apotheke trafen wir Georgette an, die ihre Ausbildung als pharmazeutisch-technische Assistentin beendet hat und dort fest angestellt ist. Sie ist ein gutes Beispiel dafür, welche Möglichkeiten die von uns geförderten Kinder haben.
Georgette
Anschließend suchten wir Olivier auf einer seiner Baustellen auf. Er ist bereits fertig gelernter Maurer und finanziell unabhängig. Derzeit betreut er als Vorarbeiter vier verschiedene Baustellen.
Olivier
Weiter ging es zu Florence, die ihre Freude über das Treffen ganz besonders intensiv zum Ausdruck brachte. Sie ist ebenfalls fertig mit der Ausbildung, arbeitet als Mechatronikerin (Reparatur von Hardware wie Drucker etc.) und spart bereits für ihre traditionelle, etwas nachträgliche Entlassungszeremonie nach der Ausbildung.
Auch Louis, den wir bereits auf der Baustelle getroffen hatten, hat uns zu Florence begleitet. Louis befindet sich im zweiten Ausbildungsjahr zum Elektriker. Wir haben mit Emmanuel abgesprochen, dass er bei der Installation der PV-Anlage hinzugezogen werden soll.
Mit Louis und Florence
Zum Abschluss trafen wir uns mit Fide und Esse, die sich beide nach ihrer Schneiderinnen-Lehre eine Selbstständigkeit mit eigenen Ateliers aufbauen. Sie sind derzeit noch auf unsere Unterstützung angewiesen.
Fide
Fide und Esse
Der Tag endete für uns drei wieder mit einem gemeinsamen Abendessen am Strand.
Tagliatelle Carbonara auf Togolesisch
Sonntag, 1. März 2026
Am nächsten Morgen fand beim Frühstück ein Treffen mit Gabriel und Gustav aus Ghana, zwei Mitarbeitern von Joachim, statt, die eigens hierfür sehr früh aus Accra losgefahren waren. Emmanuel war ebenfalls dabei, um die Details zur Installation der PV-Anlage, die gerade unterwegs nach Togo ist, zu besprechen.
Anschließend brachten wir Joachim und seine zwei Mitarbeiter an die Grenze nach Ghana, wo wir uns von Joachim verabschiedeten, da dieser seine Projekte in Ghana besuchen wollte.
Wir machten uns mit Manu wieder auf den Weg nach Ahépé. Unterwegs kauften wir noch einige Lebensmittel fürs Waisenhaus, z.B. frische süße Ananas, ein. In Ahépé verbrachten wir den Nachmittag mit den Kindern und konnten sie näher kennenlernen. Nach dieser intensiven Zeit fiel es allen sichtbar schwer, sich gegen Abend zu trennen. Charles hielt am Ende noch eine schöne Abschiedsrede, in der er uns und unseren Unterstützern herzlich dankte.

Daniel
Manassé



Vor unserer Rückfahrt nach Lomé machten wir noch einen Abstecher zum alten Gebäude, in dem die Kinder anfangs gewohnt hatten. Auf dem Weg dorthin trafen wir überraschend noch einmal Olivier auf einer seiner Baustellen in Ahépé (am Sonntagabend!).
Montag, 2. März 2026
Dieser Tag war als Freizeittag gedacht, da die Kinder ohnehin in der Schule waren. Emmanuel begleitete uns hierbei wieder (und diente als „Chauffeur“), da er sich auf seine Mitarbeiterinnen Sylvie und Reine verlassen kann, die ihn während seiner Abwesenheit im Centre Emmanuel vertreten und täglich unterstützen. An diesem Tag wurde auch erneut sichtbar, wie hilfreich es ist, einen Einheimischen an der Seite zu haben, der nicht nur bei der Kommunikation hilft (Französisch und Ewe) und schnell den Kontakt zu seinen Mitmenschen herstellen kann, sondern auch zu verhandeln weiß.
Im Laufe des Tages fanden wir auch eine neue Patenfamilie für Bernice, so dass nun alle Kinder wieder Paten haben, die sie individuell finanziell unterstützen.

Nach einem Besuch bei den alten Landungsbrücken, bei dem wir leider durch unsere Schuld feststellen mussten, dass Handys nicht (meer)wasserdicht sind und auch schlecht schwimmen, dafür umso besser tauchen können, fuhren wir auf den Grand Marché von Lomé, den großen Straßenmarkt, wo es allerlei Traditionelles und Alltägliches zu kaufen gibt. Hier lernten wir auch die Frucht Atitoè oder Tofi kennen, die sehr lecker schmeckt und die es leider bei uns nicht zu kaufen gibt.

Während wir auf Emmanuel warteten, der versuchte, sein Handy reparieren zu lassen, schauten wir uns die benachbarte Herz-Jesu-Kathedrale ein, die 1901 während der deutschen Kolonialzeit errichtet wurde. Das Innere der Kirche ist farbenfroh gestaltet.

Anschließend brachte uns Emmanuel zurück zum Hotel (auch, damit er selber noch Zeit hatte, ein neues Handy zu besorgen), wo wir die letzten Reisevorbereitungen trafen und noch den Hotelpool und das Meer genießen konnten. Zum wirklichen Baden sind die Wellen des Atlantik zu gewaltig, deshalb haben wir immer nur die Füße darin gebadet.


Um 18.45 Uhr wurden wir schließlich vom Hotelshuttle abgeholt und zum Flughafen gebracht. Hier stellte es sich als Glück heraus, dass wir frühzeitig dort waren, da wir eine Art Ausreisevisum ausfüllen mussten, das sehr zeitaufwändig war, und wir anschließend durch mehrere Scanner, Ausweiskontrollen und Gepäckvisiten geschickt wurden, so dass wir schon befürchten mussten, unser Flugzeug nach Brüssel nicht zu erwischen. Da es aber anderen Reisenden ebenso erging und der Flughafen auch nicht sehr groß war, waren wir nach fast zwei Stunden doch durch und froh, unsere Plätze im Flugzeug einnehmen zu können.
Per Nachtflug ging es mit Umstieg in Brüssel zurück nach München, wo wir am
Dienstag, 3. März 2026
um 8.05 Uhr ankamen. Nach einem Besuch in einer bayerischen Bäckerei (erster Kulturschock nach Togo) ging es mit dem Zug zurück nach Hause.

Weitere Fotos sind zu finden unter:
Fotos -> 14) Unser Besuch 2026